Die Ruderweltmeisterschaft fand im August 2009 in Poznan/Polen statt.
Monika Tampe schreibt einen ganz persönlichen Bericht – 10.09.2009.
Als Volunteer der Adaptives in Poznan
Als begeisterte und interessierte Handicapruderin wollte ich auch in diesem Jahr nicht
versäumen, das Orga-Team der WM Poznan mit meiner Tätigkeit als Volunteer des
Adaptives-Events hilfreich zu unterstützen. So fuhr ich dann am 22.8.09 am frühen
Nachmittag mit dem Warschau-Express nach Poznan, erwischte am Bahnhof zufällig einen
Shuttleservice und erreichte so voller Erwartung mein Hotel in Poznan, welches ich im
Vorfeld vom Orga-Team, natürlich auf meine Kosten zugewiesen bekommen hatte. Von dort
aus fuhr ich kurz danach mit dem vorzüglich organisierten Bus-Shuttleservice,
der jeden Tag stündlich, zu einigen Zeiten auch im 30 Minuten Takt, immer sehr
pünktlich vom Hotel „Polonez“; zur Regattastrecke Malta fuhr. Nach dem Akkreditieren
bestaunte ich die doch sehr gefällige Regattaanlage, die vielen fantastischen Rennboote
und freute mich sehr, als ich am „Adaptive-Point“ gleich mir bekannte Gesichter aus
aller Herren Länder wieder getroffen habe. Das war und ist natürlich auch ein Grund,
weswegen man persönlich solche Aufgaben übernimmt. Denn die sportlichen Leistungen zu
beobachten ist das Eine, aber die menschlichen Dinge sind das Andere, was einem immer
wieder dazu antreibt, trotz aller Strapazen, mit dabei zu sein. Dies gilt für mich
besonders aber im Handicapbereich (Adaptive-Rowing). Durch meine eigene Behinderung,
weiß ich, wie wichtig der Sport gerade für behinderte Menschen ist.
Wenn man dann noch sportliche Erfolge erringen kann oder es auch durch seine
eigene persönliche sportliche Leistung bis zur Teilnahme an einer Weltmeisterschaft
geschafft hat, dann kann man nur noch glücklich sein und diese Tage in vollen Zügen
trotz aller Anstrengungen genießen. Dieses Freude spiegelte sich auch in vielen
Gesichtern der Handicapruderer wieder, die ebenso wie die nichtbehinderten Ruderer
ernsthaft an die Sache gingen, doch nach dem Training oder den Rennen fast alle immer
den herzlichen Kontakt mit Handicapruderern aus anderen Ländern suchten und fanden.
Brian, mein Kollege aus England, bildete mit mir zusammen eine starke Bank des
Volunteer-Adaptive-Teams, da wir unsere Erfahrungen auf diesem Gebiet zur großen
Freude und Zufriedenheit der Organisatoren der WM Poznan, der FISA und der Sportler
mit deren Trainer einbringen konnten. So klappte alles reibungslos und am Ende
wussten fast alle jugendlichen polnischen Volunteers auch, worum es hier überhaupt ging.
Neben meiner Volunteersarbeit war ich aber auch in Poznan, um mir ein Bild von der
neuen Bootsklasse ID-LTA 4+ zu machen, die seit diesem Jahr erstmalig auf einer WM
dabei sein sollte. Leider waren nur ein Boot aus Italien und ein Boot aus Hongkong
am Start, wobei das Boot aus Hongkong technisch besser über die Strecke kam und
damit als Sieger im Finale A am Samstag, 29.8.09 freudestrahlend die Goldmedaillen
entgegen nehmen konnte. Aber auch bei den Italienern war die Freude groß, wobei sie
und Ihr liebenswerter Trainer sich auch sehr über ihre Silbermedaille freuten.
Etwas wehmütig habe ich das alles bei meinem Arbeitseinsatz am Siegersteg beobachtet
und an meine vier geistig behinderten Sportler in Berlin gedacht, die es sicherlich
verdient hätten, hier auch an den Start gehen zu dürfen.
Genau wie bei uns in Deutschland warten die Ruderverbände anderer Nationen wohl auch
auf die Entscheidung des IPC im November diesen Jahres, ob geistig behinderte Sportler
wieder an den Paralympics teilnehmen können, die in Peking 2008, durch Regelverstöße
zweier Länder bei der Klassifizierung in den Paralympics der Vorjahre, ausgeschlossen
waren. Da inzwischen ein neues Klassifizierungsverfahren der INAS-FID gefunden wurde,
hoffen die geistig behinderten Sportler und deren Trainer auf eine positive Entscheidung
im November. Nur dann könnte nämlich die erforderliche finanzielle Unterstützung der
nationalen Paralympischen Commitees, hier in Deutschland des Deutschen Behinderten
Sportverbandes (DBS), erfolgen. In der Hoffnung, dass der Deutsche Ruderverband (DRV)
dieses Vorhaben der neuen Bootsklasse ID-LTA 4+ in Deutschland dann ebenfalls voll
mitunterstützen wird, bin ich, auch mit dem Wissen das meine Aufbauarbeit eines ID-LTA
Vierers in Berlin inzwischen weit vorangekommen ist, nach den für unseren Ruderverband
erfolgreichen Finalrennen am Sonntag, 30.8.09 wieder mit dem Zug erschöpft aber frohen
Mutes in Richtung Berlin nach Hause gefahren.
Natürlich habe ich mich bei den Finalrennen der Handicapruderer auch über den 3. Platz
unseres deutschen LTA Vierers gefreut, zumal ich bis letztes Jahr noch ein aktives
Mitglied dieser Bootsklasse war. Besonders freute ich mich aber für den Berliner
Martin Lossau, mit dem ich in den vergangenen zwei Jahren in vielen gemeinsamen
Trainingsstunden rudern konnte, dass er in diesem Jahr endlich einen verdienten Platz
in diesem Boot erreichen konnte. Aber auch Daniel Sturm, der insgesamt 10. wurde, gab
im ASM 1x sein Bestes und sollte auch weiterhin dem Handicapteam des DRV angehören,
da er sicherlich seine Leistung bis zur WM 2010 noch steigern kann.
Bericht bei www.rudern.de/
Bilder von Monika Tampe

Gold im ID-LTA 4+ für Hongkong

Silber ging an Italien

In Berlin trainiert ein Team für kommende Einsätze
nach oben